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Digitaler Nachlass: Was passiert mit Ihren Online-Zugängen?

Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was mit all Ihren Internet-Konten passiert, wenn Sie selbst nicht mehr handlungsfähig sind? Oder nach Ihrem Tod?

Ach, Sie haben nur ein, zwei E-Mail-Adressen, einen privaten Account bei Ebay und Amazon, nur ein paar Zugänge zu diversen Online-Shops und Reiseanbietern und ein Profil bei Facebook?

Oder sind Sie vielleicht beruflich zusätzlich bei Xing, LinkedIn, Twitter, Google+ und anderen Social Media-Plattformen registriert? Und Sie verfügen auch noch über eine oder mehrere Websites? Bei welchem Provider sind diese denn gehostet?

Erben dürfen Internetkonten nicht ohne Weiteres bedienen

Nach der aktuellen Rechtslage geht der sogenannte „digitale Nachlass“, auch „digitales Erbe“ genannt, nicht einfach auf Ihre Erben über. Das hat im Mai 2017 das Kammergericht Berlin klargestellt.

Demzufolge haben Ihre Erben keinen Zugriff auf all Ihre Online-Konten und Ihren online gespeicherten Datenbestand. Denn die Anbieter der verschiedensten Internetplattformen dürfen Ihren Erben und Ihren Angehörigen den Zugriff auf Ihre Accounts verwehren. Damit sind all Ihre privaten und beruflichen Daten – egal wie wichtig sie sind – verloren.

Plattformen wie Yahoo, GMX und Co. gewähren den Erben deswegen keinen Zugriff, weil sie die Datenschutzrechte der Kommunikationspartner des Erblassers als schutzwürdiger ansehen, als das Interesse des Erben am Zugriff auf das jeweilige Konto des Verstorbenen oder Handlungsunfähigen. Diese Ansicht hat das Kammergericht Berlin in seinem Urteil bestätigt.

Einzige Möglichkeit: Vorsorgevollmacht und Testament

Wenn Sie sichergehen wollen, dass mit Ihren privaten und geschäftlichen Daten nach Ihrem Tod – oder wenn Sie auch nur vorübergehend handlungsunfähig sind – in Ihrem Sinne umgegangen wird, müssen Sie dies in einer Vorsorgevollmacht und im Testament geregelt haben. Gleichzeitig ist es notwendig, Ihren Angehörigen die Zugangsdaten zu bestehenden Internetzugängen zur Verfügung zu stellen.

In Vorsorgevollmacht und Testament legen Sie selbst fest, wer im Fall der Fälle auf Ihre digitalen Daten und Internetkonten zugreifen und demzufolge Ihre Accounts nutzen darf. So sind Sie und Ihre Erben bzw. Bevollmächtigten von der jeweiligen Online-Plattform unabhängig. Derjenige, der die benötigten Zugangsdaten hat, kann dann auf Ihre Accounts zugreifen. Sind hierzu rechtliche Regelungen in Vorsorgevollmacht und Testament getroffen, darf die von Ihnen eingesetzte Person das auch und braucht keine Ansprüche gegen sich zu befürchten.

Vorsorgedokumente greifen für den Fall ein, dass man noch am Leben ist, aber geschäfts- oder handlungsunfähig wird. Das Testament hingegen gilt erst mit dem Tod. Nur mit einer Kombination aus beidem ist eine vollumfängliche Absicherung Ihrer Angehörigen möglich.

Haben Sie Ihren digitalen Nachlass nicht geregelt, gelten für Sie bzw. Ihre Erben und Bevollmächtigten die jeweiligen Bestimmungen der verschiedenen Social Media-Plattformen, Onlineanbieter und Internetportale. Hier eine Auswahl:

Facebook

Auf das Facebookprofil des Verstorbenen können die Hinterbliebenen nur zugreifen, wenn sie über die Zugangsdaten verfügen. Facebook sieht die Datenschutzrechte der Kommunikationspartner des Erblassers als schützenswerter an, als das Interesse der Erben an der Löschung einzelner Veröffentlichungen. Auch die Gerichte sind insoweit auf der Seite von Facebook, wie ein im Jahr 2017 ergangenes Urteil des Kammergerichts Berlin zeigt.

Freunde des Erblassers können sein Profil mit einem sogenannten Gedenkstatus belegen. Danach kann eine Löschung des Profils nur noch ausschließlich von Facebook selbst durchgeführt werden. Für den Erben ist demnach ein schneller Zugriff auf den Account wichtig, um im Interesse des Verstorbenen dessen Profil entweder zu löschen oder zu erhalten, indem er es selbst in den Gedenkstatus versetzt. Erinnerungsfunktionen, etwa an Geburtstage, werden deaktiviert, jedoch keine einzelnen Inhalte gelöscht.

Darüber hinaus verfügt Facebook über eine Funktion, um vorsorglich eine Vertrauensperson für den eigenen Todesfall angeben zu können, die Zugriff auf das Profil erhält. Jedoch ist auch deren Befugnis eingeschränkt. Sie erhält lediglich die Möglichkeit den gesamten Account zu löschen oder ihn in den Gedenkstatus zu versetzen. Einzelne Veröffentlichungen des Erblassers können nicht entfernt werden. Eingesetzt werden kann nur eine Person, die selbst bei Facebook angemeldet ist. Probleme entstehen, wenn sich die eingesetzte Person bei Facebook abmeldet oder ihren Facebook Namen ändert. Die von Facebook zur Verfügung gestellte Funktion löst die Schwierigkeiten des Erben somit nur zu einem kleinen Teil.

Twitter

Twitter fordert die Sterbeurkunde, eine Ausweiskopie des Erben und eine notarielle Beglaubigung, die Auskunft darüber gibt, welche Kontaktdaten der Erbe hatte und in welcher Beziehung er zum Erblasser stand. Die Dokumente sind am Sitz von Twitter in San Francisco einzureichen. Sollte es in dieser Sache zu einem Rechtsstreit kommen, so gilt hierfür das Recht des US-Bundesstaates Kalifornien.

Ebay

Kennt der Erbe die Zugangsdaten des Erblasser und löscht den Account, erhält er eine Bestätigungsemail an die E-Mail Adresse des Erblassers. Folglich kann der Erbe den Zugang nur löschen, wenn er auch Zugriff auf das E-Mail Postfach des Erblassers hat.

E-Mail Account (Gmx.de, Web.de, Yahoo.de usw.)

Der Zugriff auf den E-Mail Account des Verstorbenen ist für den Erben von enormer Bedeutung. Rechnungen, Erinnerungen an Termine, Bestätigungslinks und vieles mehr gehen täglich dort ein. Zwar kann der Erbe beim Anbieter Zugang zu den Postfächern beantragen. Er muss sich jedoch durch Vorlage eines Erbscheins legitimieren. Den Erbschein erhält er vom Nachlassgericht nicht unmittelbar nach dem Tod, sondern erst nach Abschluss der Erbenermittlung. Hat der Erblasser nicht entsprechend vorgesorgt, ruhen sämtliche Accounts einseitig – ein Zugriff des Erben ist nicht möglich. Neben dem Erbschein und der Vorlage des Personalausweises des Erben fordern manche E-Mail Anbieter auch noch, dass der Erbe den Zugriff auf das Post­fach mit einem unter­schriebenen Schrift­stück beantragt.

Yahoo und Amazon

Yahoo gewährt generell keinen Zugriff auf den Account eines Verstorbenen. Eine Löschung hingegen kann bewilligt werden. Damit sind dann allerdings sämtliche Daten ausgelöscht und unter Umständen auch der Bestätigungslink zur Löschung des E-Bay Zugangs.

Amazon wählt dieselbe Vorgehensweise im Todesfall.

Paypal

Paypal stellt die Kommunikation auf die E-Mail Adresse des Erben um, wenn sich dieser legitimiert hat. Der Erbe erhält auch ein möglichweise noch bestehendes Guthaben ausbezahlt. Neben der Sterbeurkunde sind die Vorlage einer Ausweiskopie des Erben und ein Erbschein erforderlich.

Kurz zusammengefasst: Das Factsheet zum Digitalen Nachlass.

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