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Das "ABC" des Rechts

Auszug aus unserem Oktober Themen-Telegramm

Baukindergeld

Das Baukindergeld ist eingeführt. Mit ihm soll der „Ersterwerb von selbstgenutzten Wohnimmobilien und Wohnungen für Familien mit Kindern und Alleinerziehende“ gefördert werden. Konkret gefördert wird „Der erstmalige Neubau oder Erwerb von Wohneigentum zur Selbstnutzung in Deutschland“. Unter Ersterwerb ist der „Erstmalige Kauf oder Neubau“ zu verstehen. Daraus ergibt sich, dass der klassische Übergabevertrag, mit dem Immobilieneigentum an ein Kind unter Einräumung eines Wohnungsrechts und monatlicher Geldleistung an die übergebenden Eltern, nicht dem Förderzweck unterliegt. Im Rahmen der Nachfolgeplanung ist daher zukünftig zu prüfen, inwieweit gleichwertige Gegenleistungen, welcher Art auch immer, an die Eltern zu erbringen sind, wenn der Erwerber das Baukindergeld erhalten möchte. Die Ausgestaltung eines Übergabevertrages als Kaufvertrag hat zur Folge, dass die vom Übernehmer zu erbringenden Leistungen den Verkehrswert des Anwesens entsprechen müssen.
Eine Förderung mit Baukindergeld ist somit nur bei einem Kauf oder Bau von Wohneigentum möglich und nicht bei Anfall einer Erbschaft oder bei einer Schenkung. Erbt man ein Grundstück oder bekommt dieses geschenkt und baut darauf, dann ist die Förderung des Bauvorhabens durch das Baukindergeld wiederum möglich.


Bestattungsrecht

Die nächsten Familienangehörigen, etwa Ehegatte, Kinder und Eltern des Verstorbenen, haben für dessen Bestattung zu sorgen. Der Erbe als solcher ist dazu nicht verpflichtet. Die Bestattungspflicht ist kein vererbliches Recht, sondern die Konsequenz des Verwandtschaftsverhältnisses zum Verstorbenen. Nicht aus der Pflicht zur Bestattung, sondern aus dem Recht der Totenfürsorge, das ebenfalls bei den nächsten Angehörigen liegt, ergibt sich, wie die Beisetzung durchgeführt wird. Folglich entscheiden diejenigen aus der Familie über Art und Umfang der Bestattung, die auch deren Kosten tragen. Bei der Wahl der Bestattung ist stets der Wille des Verstorbenen zu achten und zu befolgen. Nicht immer kann in der gebotenen Eile der zur Bestattung verpflichtete Angehörige rechtssicher bestimmt werden. Selbst wenn dies der Fall sein sollte, ist unsicher, ob der Betreffende auch willens und etwa finanziell in der Lage ist, die Bestattung durchzuführen. Schnell kann es daher zu Unstimmigkeiten unter den Angehörigen über Kosten und Modalitäten der Beisetzung kommen, aber auch darum, wer die Grabpflege langfristig übernimmt. Deshalb ist es sinnvoll, eine Vorsorgevollmacht zu erstellen, die über den Tod hinaus gilt und darin die gewünschten Modalitäten der eigenen Bestattung zu benennen. Der Bevollmächtigte, dem das Recht der Totenfürsorge übertragen ist, kann dann die Bestattung nach den Wünschen des Vollmachtgebers bzw. Erblassers rechtsicher durchführen.

 

Auszug aus unserem September Themen-Telegramm 

Tod und Trauer

Der Tod eines nahen Angehörigen ist immer eine schwere Belastung für die betroffene Familie. Überlegtes Handeln – zu wissen, was zu tun ist – ist gerade in den ersten Stunden und Tagen nach dem Todesfall erforderlich. Nicht zuletzt sind einige wichtige gesetzliche Verpflichtungen zu erfüllen und Versicherungsmeldungen abzugeben, um keine finanziellen Nachteile zu erleiden. In der von mir entworfenen Dokumentenmappe bewahren Sie für sich und Ihre Hinterbliebenen alle notwendigen Urkunden und Dokumente auf. So können Sie sicher sein, dass alle (notwendigen) relevanten Unterlagen schnell zur Verfügung stehen, wenn Ihnen etwas zustößt.

In Deutschland gilt die sogenannte Bestattungspflicht. Diese besagt, dass alle menschlichen Verstorbenen auf einem Friedhof bestattet werden müssen. Die Urne mit der Asche eines verstorbenen Angehörigen zu Hause aufzubewahren ist damit nicht zulässig. Wer dies dennoch tut, begeht eine Ordnungswidrigkeit und riskiert eine Zwangsbestattung durch die Behörden.

Die nächsten Familienangehörigen, etwa Ehegatte, Kinder und Eltern des Verstorbenen haben für dessen Bestattung zu sorgen. Der Erbe als solcher ist zwar nicht zur Bestattung verpflichtet, trägt jedoch deren Kosten. Die Bestattungspflicht ist also kein vererbliches Recht, sondern die Konsequenz aus dem Verwandtschaftsverhältnis zum Verstorbenen. Denn der Bestattungspflichtige muss zum Zeitpunkt des Erbfalls von den Behörden schnell und zweifelsfrei ermittelt werden können. Nach dem Bayerischen Bestattungsgesetz müssen Verstorbene spätestens 96 Stunden, also vier Tage, nach Eintritt des Todes bestattet sein. Damit bleibt keine Zeit, langwierige Erbenermittlungen dafür abzuwarten. Im Übrigen bleiben Samstage, Sonntage und gesetzliche Feiertage bei Berechnung dieser Frist unberücksichtigt.

Nicht aus der Pflicht zur Bestattung, sondern aus dem Recht der Totenfürsorge ergibt sich, wie die Beisetzung durchgeführt wird. Bestattungspflicht und Totenfürsorge liegen bei den nächsten Angehörigen. Diese wählen die Art der Bestattung aus, wenn nicht der Verstorbene selbst noch zu Lebzeiten definiert hatte, wie und wo er beigesetzt werden möchte. In diesem Fall sind die Angehörigen an den Willen des Verstorbenen gebunden.

Zu beachten ist, dass spätestens zwei Tage nach dem Tod, sollte es sich um einen Unfall handeln, einer möglicherweise bestehenden Unfallversicherung der Unfall gemeldet sein muss.

Spätestens drei Tage nach Eintritt des Todesfalles müssen Meldungen an möglicherweise bestehende Pflegeversicherung, Lebensversicherung, Erbschaftspolice und jede andere Versicherung mit einem Bezugsrecht im Todesfall ergehen.

Ist ein naher Angehöriger verstorben, so müssen die Hinterbliebenen zahlreiche Aufgaben erledigen, für die bei aller Trauer nur wenig Zeit zur Verfügung steht. Insbesondere sollten, um finanzielle Nachteile zu vermeiden, die sehr knappen Meldefristen bei bestehenden Versicherungen beachtet werden.

 

Auszug aus unserem August Themen-Telegramm

Brandaktuell in Bayern!!!

Landespflegegeld: ab Pflegegrad 2: pro Jahr 1.000 Euro!!

Rückwirkend zum 1. Mai 2018 kann jeder in Bayern ansässige Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 und höher einmal pro Pflegegeldjahr (laufendes Jahr 01.10.2017 bis 30.09.2018) 1.000 Euro Landespflegegeld beantragen. Unabhängig davon, ob Pflegebedürftige im Pflegeheim oder zuhause leben und versorgt werden, muss aber der Hauptwohnsitz in Bayern zum Zeitpunkt der Antragstellung bestehen. Das Landespflegegeld ist eine staatliche Fürsorgeleistung und somit steuerfrei!

Das Faltblatt zum Landespflegegeld finden Sie hier.

 

Auszug aus unserem Juli Themen-Telegramm

Erb- und Pflichtteil: Was ist was?

Gibt es weder ein Testament noch einen Erbvertrag, dann greift die gesetzliche Erbfolge. Das gesetzliche Erbrecht ist nicht ganz so einfach geregelt, wie mancher denken mag. Oft kommt das böse Erwachen nach dem Tod eines Erblassers, also mit dem Erbfall.
So glauben Ehegatten meist, dass das gemeinsame Haus nach dem Tode eines von ihnen dem Überlebenden alleine gehören wird – ein Irrglaube!
Ein großer Prozentsatz der Erbberechtigten kann sich nicht vorstellen, dass häufig regelmäßig auch andere Personen Miterben und damit Miteigentümer werden, wobei die Spanne der gesetzlich möglichen Erben über die eigenen Kinder bis hin zu entfernten Verwandten reichen kann. Ausschlaggebend ist, welche Verwandten des Erblassers bei dessen Tod noch am Leben sind.
Bösen Erb-Überraschungen kann man bei Zeiten vorbeugen, zumal das deutsche Erbrecht jedem jederzeit erlaubt, eine Regelung über sein Vermögen im Todesfall zu treffen. Es herrscht weitgehende Testierfreiheit. Diese findet ihre Grenze im Pflichtteilsrecht. Wenn Sie also Ihre Kinder oder Ihren Ehepartner enterben, können diese einen Pflichtteilsanspruch gegen den eingesetzten Erben geltend machen.

 

Pflichtteil: Garantie für Mindestbeteiligung

Im Falle einer getroffenen Nachlassregelung (z. B. Testament) sichert der Pflichtteil enterbten Angehörigen eines Erblassers, wie Kindern, Ehegatten und eventuell Eltern, einen Mindestanteil am Nachlass zu. Allerdings beläuft sich der Pflichtteilsanspruch einzig auf finanzielle Leistungen, wobei sich der Wert jeweils aus der Hälfte des gesetzlichen Erbteils errechnet. Für die Berechnung ist also vorab zu bestimmen, welche Erbquote der Berechtigte ohne das Testament erhalten hätte; der gesamte Nachlass ist zu bewerten. Wäre beispielsweise jemand nach gesetzlicher Erbfolge Erbe zu 1/2 geworden, so beträgt sein Pflichtteil 1/4 des Nachlasswertes.

Mittels Zuwendungen bzw. Schenkungen unter Lebenden versucht so mancher Erblasser den Wert bzw. die Höhe eines Pflichtteils vermindern. Zur Abhilfe hat die Gesetzgebung den Pflichtteilsergänzungsanspruch geschaffen. Der Wert des Nachlasses zur Berechnung des Pflichtteils erhöht sich jeweils um den Wert der Schenkungen/Zuwendungen welcher der Erblasser in den letzten 10 Jahren vor seinem Ableben getätigt hat. Zu 100 Prozent schlagen allerdings nur Schenkungen im ersten Jahr vor dem Erbfall zu Buche, für die weiteren neun Jahre reduziert sich der Wert jeweils um 1/10 und damit auch der Pflichtteilsergänzungsanspruch.
Um den Wert des Anspruchs berechnen zu können, haben Pflichtteilsberechtigte gegenüber den Erben Anspruch auf Auskunft über Bestand und Wert des Nachlasses. Falls nötig kann für die Bewertung, z. B. einer Immobilie, ein Sachverständiger hinzugezogen werden.
Wer, was in vielen Fällen sinnvoll ist, die gesetzliche Erbfolge ändern möchte, tut gut daran, Pflichtteilsrechte von Vornherein zu berücksichtigen, etwa durch Erbeinsetzung mit einer hinreichenden Quote oder durch Aussetzung eines entsprechend großen Vermächtnisses. Auch die Abgabe eines Pflichtteilsverzichts durch die Berechtigten noch zu Lebzeiten des Erblassers ist möglich und oftmals für alle Beteiligten sinnvoll.

 

Neues vom Baukindergeld?

Nicht so wirklich gibt es Neuigkeiten zum Baukindergeld, Verwirrung zum Thema hatte die Nachricht über eine Quadratmeterbegrenzung gesorgt. Die ist mittlerweile vom Tisch, das Bundeskabinett hat sich darauf geeinigt, dass es eine Deckelung der Größe einer Immobilie nicht geben wird.

Dafür aber eine zeitliche Begrenzung für die Antragsstellung.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) teilte auf Nachfrage mit, dass Baukindergeld in der Zeit von 01.01.2018 bis 31.12.2020 gezahlt werden wird.

Alle weiteren bislang bekannten Bedingungen wie die Einkommensgrenze von € 75.000 zu versteuerndem Einkommen pro Haushalt zzgl. einem Freibetrag von € 15.000 pro Kind wurden nicht verändert.

Für den Kauf oder den Bau einer Immobilie bekommen Familien 1 200 Euro pro Kind und Jahr - über zehn Jahre verteilt - also 24 000 Euro bei zwei Kindern. Die Kinder müssen unter 18 Jahre alt sein und Zuhause wohnen. Nach dem Einzug in die selbstgenutzte Immobilie muss dafür eine Meldebestätigung vorgelegt werden.

Wenn voraussichtlich im Herbst alles in Gesetzesform gegossen ist, kann Leistung rückwirkend für alle ab Januar 2018 abgeschlossenen Kauf- und Bauverträge beantragt werden.

 

Auszug aus unserem Juni Themen-Telegramm

Übernahme und Umbau der elterlichen Immobilie - Antrag auf Baukindergeld?

Gerade in unserer Gegend überschreiben Eltern oft einem ihrer Kinder den Hof oder eine, zur Selbst- oder Mitbenutzung bestimmte Immobilie, die dann meist auch renoviert oder umgebaut wird.

Für diesen Fall sollte man das im Koalitionsvertrag vereinbarte Baukindergeld genau im Blick haben. Union und SPD haben bis jetzt zwar die Eckpunkte definiert, nicht aber die genauen Details.

MdBs aus beiden Fraktionen berufen sich darauf, dass die Rahmenbedingungen noch nicht festgelegt seien, für welche Fälle und Umstände der nicht rückzahlbare staatliche Zuschuss gewährt werden kann. Ob das Baukindergeld deshalb auch im Fall einer klassischen Übergabe von den Eltern an eines der Kinder gewährt wird, bzw. welche Regelungen der Übergabevertrag enthalten sollte, kann derzeit noch nicht abschließend gesagt werden.

Wir sind in dieser Sache ganz nah am Ohr der Gesetzgebung und informieren Sie umgehend bei bekannt werden von weiteren Einzelheiten.

Nähere Informationen zum Baukindergeld finden Sie bei der KfW.

 

Auszug aus unserem März Themen-Telegramm

Bestattungspflicht: Was kann ich selbst bestimmen?

„Nach mir die Sintflut“ mag sich manch einer denken – sofern es ihm egal ist, was nach seinem Tod passiert. Doch was passiert mit meinem Leichnam? Wer ist für meine Bestattung zuständig? Hätte ich mich vielleicht vor dem Tod selbst darum kümmern müssen?

Das hätte ich nicht! Hätte ich aber per Vorsorgevollmacht tun können!

Der Verstorbene als Erblasser ist grundsätzlich nicht zur Bestattung verpflichtet. Für seine Bestattung sind die nächsten Angehörigen zuständig, und zwar in dieser Reihenfolge: Ehegatte, Kinder und Eltern. Sie sind zur Bestattung verpflichtet, auch bei zerrütteten Familienverhältnissen und genauso, wenn sie nichts erben. Die Bestattungspflicht ist demnach kein vererbliches Recht, sondern Konsequenz des familienrechtlichen Verhältnisses zum Verstorbenen. Und der nichteheliche Lebensgefährte? Zumindest in Bayern hat er keine Bestattungspflicht.

Erben müssen Bestattung bezahlen

Die Angehörigen müssen für die Bestattung sorgen, auch wenn der Verstorbene zu Lebzeiten einen vom Gericht bestellten Betreuer hatte. Die Betreuung endet mit dem Tod des Betreuten.

Für nicht erbende, aber für die Bestattung zuständige Familienangehörige gibt es jedoch eine gute Nachricht: Sie müssen die Beisetzung nicht bezahlen. Die Kosten haben die Erben zu tragen.

Da die Bestattung eines Toten in Deutschland nach allen landesrechtlichen Vorschriften in relativ kurzer Zeit zu erfolgen hat, muss der Bestattungspflichtige nach dem Tod schnell und zweifelsfrei ermittelt werden können. Ist das nicht möglich, organisieren die Behörden die Bestattung. Das ändert aber nichts daran, dass der Staat die aufgewendeten Kosten vom Erben oder von Angehörigen zurückfordern kann.

Bestattung vor dem Tod selbst regeln

Der Wille des Verstorbenen selbst ist selbstverständlich zu achten und zu beachten. Wer möchte, dass sich bestimmte Personen um seine Bestattung kümmern sollen, und genau definieren will, wie und wo die Beisetzung zu erfolgen hat, kann all das vor seinem Tod festlegen.

Um den Totenfürsorgeberechtigten Beweisschwierigkeiten zu ersparen, sollte der künftige Erblasser seine Bestimmungen schriftlich hinterlassen. Allerdings empfiehlt es sich, diese Wünsche nicht im Testament niederzuschreiben. Denn bis das Testament vom Nachlassgericht eröffnet wird, hat die Bestattung in der Regel längst stattgefunden.

Am besten ist es, die Regelungen zur eigenen Bestattung in der Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung festzuhalten. Genauso kann jeder seine Bestattung bereits zu Lebzeiten in einem Bestattungsvorsorgevertrag mit einem Beerdigungsinstitut vereinbaren.

Für alle Dokumente – Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Bestattungsvorsorgevertrag – gilt: Der künftige Erblasser darf hier alles nach seinen persönlichen Vorstellungen anordnen. Er kann zum einen den Totenfürsorgeberechtigten benennen, das heißt die Person, die sich um die Beerdigung kümmern soll. Zum andern kann er über Ort und Art der Bestattung bis hin zu Einzelheiten wie Bekleidung, Sarg und Gestaltung der Trauerfeier alles selbst bestimmen.

Die Urne mit der Asche darf in Deutschland jedoch nicht zu Hause aufbewahrt werden. Das darf der künftige Erblasser nicht bestimmen. Hierzulande gilt – anders als beispielsweise in Tschechien – Bestattungszwang. Die Bestattung eines Leichnams muss demzufolge an extra dafür vorgesehenen Örtlichkeiten erfolgen.

 

Witwenrente auch bei kurzer Ehe?

War ein Ehepaar bis zum Tod eines der Ehepartner weniger als ein Jahr verheiratet, bekommt der oder die Hinterbliebene in der Regel keine Witwenrente. Das besagt die im Sozialgesetzbuch verankerte Versorgungsehenklausel (§ 46 Abs. 2a SGB VI), die dem Missbrauch der Ehe vorbeugen soll. Damit will man Paaren einen Strich durch die Rechnung machen, die kurzfristig mit der alleinigen oder überwiegenden Absicht geheiratet haben, einen Anspruch auf Hinterbliebenenversorgung aus der gesetzlichen Rentenversicherung zu begründen.

Ausnahme bestätigt die Regel

Sofern sich jedoch in der Gesamtbetrachtung der Eheschließung feststellen lässt, dass andere Beweggründe für die Heirat mehr Gewicht hatten als der bloße Versorgungszweck oder mit diesem mindestens gleichwertig waren, kann einer Witwenrente auch bei kurzer Ehedauer stattgegeben werden. Die Beweggründe der Hochzeit muss der Hinterbliebene nachweisen. Die Ausnahme der Versorgungsehenklausel ist bei unheilbarer Krankheit eines der Eheleute oder bei Heirat „kurz vor knapp“ äußerst kritisch zu betrachten. Hier kommt es bei Beantragung der Witwenrente oft zum Streit mit der Rentenversicherung.

Von schwerer Krankheit gewusst?

War der verstorbene Versicherte bereits zum Zeitpunkt der Eheschließung lebensgefährlich erkrankt und wusste das Paar von dem Zustand, ist der Ausnahmetatbestand in der Regel nicht erfüllt. Der Nachweis, dass aus anderen als aus Versorgungsgründen geheiratet wurde, ist jedoch nicht generell ausgeschlossen.

Je offenkundiger und lebensbedrohlicher die Krankheit des Verstorbenen zum Zeitpunkt der Eheschließung gewesen ist, desto gewichtiger müssen in der nachträglichen Gesamtbetrachtung die besonderen Umstände, die gegen eine Versorgungsehe sprechen, sein. Dafür muss die Witwe bzw. der Witwer eindeutige Beweise bringen.

Versorgungsehe widerlegt

Wie das Sozialgericht Berlin jüngst feststellte (SG Berlin, Urt. v. 11.09.2017), gilt die Versorgungsehe im folgenden Fall allerdings als widerlegt:

Der/die Hinterbliebene kann nachweisen, dass die Planungen zur Hochzeit schon Monate vor Bekanntwerden der Krankheitsdiagnose des Partners begonnen haben und sie sich nach Vorsprechen beim Standesamt lediglich durch die Beschaffung notwendiger Dokumente aus dem Ausland verzögerten. Im konkreten Fall hat das Gericht der Klage der Witwe stattgegeben und ihr die Witwenrente zugesprochen, obwohl ihr Ehemann nur zwei Monate nach der Heirat verstarb.

Das Urteil wird sich in Zukunft sicherlich auf Fälle, bei denen sich die Eheschließung durch ähnliche bürokratische Hindernisse verzögert hat, positiv auswirken.

 

Auszug aus unserem Februar Themen-Telegramm

Gesetzesänderungen im Bereich der Vorsorgedokumente aus dem Jahr 2017:

Seit Juli 2017 kann der gewählte Bevollmächtigte in Maßnahmen, durch die ihm die Freiheit entzogen wird, nur noch dann einwilligen, wenn hierfür eine schriftliche Vollmacht erteilt wurde, die ausdrücklich entsprechende Maßnahmen umfasst.

Hieran wird deutlich, dass eine Vorsorge in diesem Bereich beinahe unumgänglich ist, um in jedem Fall für sich selbst die bestmögliche Absicherung zu gewährleisten.

Die richtige Vorsorge trifft, wer Vorsorgedokumente erstellen lässt. Jede Person ab 18 Jahren sollte eine Vorsorgevollmacht, eine Patientenverfügung und eine Betreuungsverfügung erstellen. Bei Personen mit minderjährigen Kindern ist auch noch eine Sorgerechtsverfügung und bei unternehmerisch tätigen Personen eine Unternehmervollmacht unerlässlich.

Denken Sie dabei nicht nur an sich selbst, auch Ihre nahen Angehörigen oder sonstigen gewählten Bevollmächtigten können nur dann ohne Probleme bestmöglich für Sie handeln, wenn sie Ihnen bereits im Vorfeld eine entsprechende Vollmacht erteilt haben.

Wenn Sie bereits Vorsorgedokumente errichtet haben, so ist es unerlässlich, dass sie diese auf Grund der Gesetzesänderungen aus dem Jahr 2017 auf ihre Aktualität hin überprüfen lassen. Auch die Rechtsprechung wird in den kommenden Jahren in diesem Bereich zunehmen, da vermehrt Fälle auftreten, in denen zwar Vorsorgedokumente vorhanden sind, diese jedoch nicht der gesetzlichen Lage entsprechen. Die herkömmlichen Formulare zum „ankreuzen“ aus dem Internet genügen den gesetzlichen Anforderungen nur in den seltensten Fällen. Wollen Sie wirklich rund um abgesichert sein, müssen die Dokumente ausführlich gestaltet sein.

Die Servicegesellschaft JURA DIREKT GmbH mit Sitz in Nürnberg ist ein Kooperationspartner meiner Kanzlei, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Bevölkerung über das wichtige Thema der Vorsorgedokumente zu informieren. Sie bietet einen Notfall- und Aktualisierungsservice an. Insgesamt umfasst der Service 13 Punkte: https://www.anwalt-kestler.de/rechtsgebiete/aktualisierung-hinterlegung.html 

So bleiben Ihre Dokumente immer aktuell, ohne dass Sie dafür etwas veranlassen müssen. Derzeit werden wegen der Gesetzesänderungen von 2017 alle Vorosrgevollmachten aktualisiert, was meinen Mandanten ein sicheres Gefühl gibt.

 

Notfallkoffer

Nur ein kleiner Prozentsatz von Unternehmen ist für den Fall gerüstet, dass der Firmenchef durch ein plötzliches und unvorhergesehenes Ereignis überraschend ausfällt. Denn nach wie vor ist die Bereitschaft der Menschen gering, sich mit den Themen Krankheit, Unfall sowie dem eigenen Tod auseinanderzusetzen.

Fakt ist jedoch, dass eine Betriebsfortführung dann in enormem Maß gefährdet ist, wenn ein Notfallkoffer nicht vorhanden ist. Er sollte vor allem aktuelle Vorsorgedokumente enthalten. Wichtig ist darüber hinaus auch eine Dokumentenmappe, die neben sämtlichen Zugangsdaten zu Internetportalen auch Bankverbindungen und Informationen zu Kunden und Lieferanten enthält. Auf keinen Fall fehlen darf ein Testament und ein Vertretungsplan, ansonsten kann es passieren, dass der Betrieb Vermögenseinbußen erleidet oder gar Insolvenz angemeldet werden muss.

Nicht nur für Unternehmer, sondern auch für private Personen ist eine solche Dokumentenmappe, die alle wichtigen Unterlagen enthält, unerlässlich. Ich biete eine fertig zusammengestellte Dokumentenmappe an, mehr darüber finden Sie hier.

 

Notfallausweis

Der Skiunfall des Formel 1 Siegers Michael Schuhmacher ist sicher auch Ihnen bekannt. Hieran wird deutlich wie wichtig die Vorsorge für den Fall ist, dass ein plötzlicher Unfall, eine überraschende Krankheit oder gar der Tod eintritt. Denn: es kann jenden zu jeder Zeit treffen! Besonders im Winter, wenn Freunde des Schneesports ihren Hobbies nachgehen, ist schnell etwas passiert. Das belegen die zahlreichen Medienberichte über Skiunfälle.

Ein Notfallausweis erleichtert den Angestellten der Rettungsdienste ihre Arbeit. Zudem wird sichergestellt, dass durch schnellen Zugriff auf Ihre Vorsorgedokumente Ihr Wille berücksichtigt werden kann. Ein solcher Notfallausweis sollte neben wichtigen Informationen wie Blutgruppe, Allergien und Vorerkrankungen auch einen Hinweis darauf enthalten, dass Vorsorgedokumente vorhanden sind. Der Hinterlegungsort und ein Ansprechpartner sind zu nennen.

Statistiken besagen: „90 Prozent der Menschen haben keine Vorsorgedokumente. Dabei ist das in 90 Minuten erledigt und die Selbstbestimmung bleibt für die ganze Familie auch im Fall der Fälle erhalten.“

Alle JURA DIREKT Kunden, die den Service gebucht haben, erhalten mit ihren Vorsorgedokumenten eine Notfallkarte.

Bei einem Notfall können Ärzte, medizinisches Personal und alle Bevollmächtigten über eine Notfall-Hotline rund um die Uhr die bei JURA DIREKT hinterlegten Dokumente anfordern. Die Berechtigung zum Abruf wird von JURA DIREKT im Vorfeld geprüft. Notfallgeschichten können Sie hier nachlesen: https://www.juradirekt.com/de/geschichten-aus-dem-leben

Ich freue mich auf einen Besuch von Ihnen!

Hier erhalten Sie Informationen zu den aktuellen Vorträgen und das Vortragsverzeichnis zum Download.

Sie sind Bevollmächtigter in Vorsorgedokumenten?

Damit auch Sie für den Ernstfall vorbereitet sind, veröffentliche ich monatlich einen praktischen Tipp für den Bevollmächtigten.

Erbrecht - leicht verständlich?!

Im Erbrecht gibt es vielerlei Begriffe, die im ersten Moment fremd wirken. Die wichtigsten davon erkläre ich hier.